Anna Neumann geb. Feuerlöscher

Fabrikantin und Widerstandskämpferin (1905 -1977)

 

Anna Maria Charlotte Neumann wird am 1. Oktober 1905 als jüngstes von vier Kindern des Juristen und Fabrikanten Dr. Sigmund und Karoline Feuerlöscher in Graz geboren. Die Familie besitzt in Prenning, Gemeinde Deutschfeistritz nördlich von Graz, eine Pappendeckelfabrik.

 

In Prenning bildet sich in den 1930er Jahren um Anna und ihre Geschwister Eva, Lilly und Herbert Feuerlöscher ein Kreis von Intellektuellen und Künstlern aus Graz. Diesem Prenninger Kreis gehört u. a. Anna Marias Ehemann, der stellvertretende Herausgeber der sozialdemokratischen Tageszeitung Arbeiterwille Dr. Kurt Neumann, der Kulturredakteur des Arbeiterwillen, der Maler und Buchillustrator Axl Leskoschek, der Architekt Herbert Eichholzer und seine Kollegin und Lebensgefährtin Anna Lülja Simidoff, der Bildhauer Walter Ritter, der Obmann der Angestelltengewerkschaft Isidor Preminger sowie der Schriftsteller und Journalist Ernst Fischer an.

 

1935 produzieren sie in Prenning das von Herbert Eichholzer und Walter Ritter entworfene und von Anna Neumann bemalte Holzspielzeug KLUMP, welches seit 2003 wieder produziert wird. (ZUR HOMEPAGE)

 

Gemeinsam gründen sie mit anderen Freunden aus Graz Anfang des Jahres 1936 den Kunstverein Grazer Stadtklub, der – obwohl ein eigenständiger Verein – als linker Flügel innerhalb der Grazer Sezession gilt.

 

Nach dem „Anschluss“ 1938 wird der Verein gemeinsam mit der Sezession behördlich aufgelöst. Viele Mitglieder des Prenninger Kreises fliehen nach dem „Anschluss“ in die USA, nach Frankreich, Großbritannien oder in die Türkei. 1940 kehrt Herbert Eichholzer aus der Türkei nach Graz zurück, um hier im Auftrag der KPÖ den Kontakt der steirischen Widerstandsgruppen mit der Auslandsleitung wieder herzustellen. Dabei kommt er auch nach Prenning, wo er sich mit Anna Neumann trifft. Diese stellt ihm den Kontakt zu einer im Übelbachtal gebildeten Zelle des kommunistischen Widerstands her. Zudem wird Anna Neumanns Wohnung in Prenning eine „unverdächtige“ Postadresse, über die führende Funktionäre der KPÖ in der Steiermark miteinander Verbindung halten. Durch einen Spitzel verraten, werden ab 1. Februar 1941 über 200 Mitglieder der KP-Zellen in der Steiermark verhaftet und 20 von ihnen zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Anna Neumann, die ebenfalls im Februar 1941 verhaftet wird, wird mit den Mitgliedern der Übelbacher Zelle der KPÖ am 24. August 1942 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, wobei bei Anna Neumann – wie es im Urteil heißt – „noch erschwerend der Umstand [ist], dass sie Verbinderin zu höheren Funktionären der KPÖ war.“ Sie wird in das Frauengefängnis nach Aichach in Bayern eingeliefert, aus dem sie - durch die Amerikaner befreit - am 12. Juni 1945 entlassen wird.

 

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft wird Prenning, wo Anna Neumann bis 1966 gemeinsam mit ihren Geschwistern die Pappendeckel-Fabrik führt, wieder ein Treffpunkt linksorientierter Künstler und Intellektueller. Auch wird hier der 1938 aufgelöste Grazer Stadtklub im Jahre 1947 von Anna Neumann, Friedrich Zotter, Walter Ritter und dem Musiker Josef Michl-Bernhard unter dem Namen Demokratischer Klub neu gegründet. Anna Neumann stirbt am 18. Dezember 1977 in Deutschfeistritz.

 

Literatur und Quellen: 
Oberlandesgericht Wien, 7 OJs 218/41:
Prozessakt gegen Anna Neumann u. a. 
Gottfried Mühlbacher, Die Unternehmerfamilie Feuerlöscher in Prenning, in: Blätter für Heimatkunde 82 (2008), H. 1/2. 
Heimo Halbrainer, Steirische Kunst zwischen 1933-1945.
Ein kulturgeschichtlicher Streifzug, in: Moderne in dunkler Zeit. Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler 1933-1948, hg.v. Günter Eisenhut/Peter Weibel, Graz 2001
 
Bearbeiter: Heimo Halbrainer
Quelle: Projekt biografiA 
am INSTITUT FÜR WISSENSCHAFT UND KUNST

 

 

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