Walter Ritter - Ein archaischer Moderner

 

In der Zwischenkriegszeit war das Haus der Industriellenfamilie Feuerlöscher Treffpunkt vieler kritischer Intellektueller und Künstler, die oft genug unter Lebensgefahr dem aufkeimenden Nationalsozialismus mit ihren Mitteln Widerstand zu leisten versuchten. Eines der Mitglieder in diesem Prenninger Kreis war Ritter. Den steirischen Bildhauer verschlug es schließlich 1948 als Lehrer nach Linz, wo er in seinem Atelier am Pöstlingberg viele Werke schuf, die heute noch im Stadtbild von Linz zu sehen sind. Es sind aber Spuren von Ritter auch in Graz erkennbar, zum Beispiel der Brunnen am Schloßbergplatz.

 

Ritter-Skulpturen in der GastWerkstätte

Die Jahresausstellung 2013 in der Kulturpension ist dem Grazer Bildhauer Walter Ritter gewidmet. Zu sehen sind nicht nur Ritters Skulpturen, sondern auch Arbeiten von seinen Schülern aus der Grazer Ortweinschule.

 

Balance war zeitlebens ein bestimmender Begriff für Walter Ritter

Die Balance zwischen der Politik und der Kunst, zwischen seinen Wirkungsorten Graz und Linz und die Balance zwischen und in seinen Stilen - so ist auch der Titel der Ausstellung „Balanceakt“ zu verstehen. Balance als bestimmendes Thema „Ritter hatte eine ganz klassische Ausbildung, hat sich dann aber stärker gelöst von den archaischen Formen und hat sich vor allem Bewegungsstudien zugewandt. Und über diese Bewegung hat er zu einer Gestik der Figuren gefunden, die immer darauf hinzielt, leichter zu werden. Dadurch wurde die Balance zu seinem Lieblingsthema, sowie Jongleure und Zirkuskünstler, die sich vom Boden lösen und damit eine neue Dimension von Freiheit gewinnen - das hat ihn fasziniert“, erklärt Eugen Gross, der Obmann des Vereins „Prenninger Gespräche“.

 

Skulpturen von Ritter und Schülern

In der und rund um die Kulturpension Prenning werden aber nicht nur Skulpturen Ritters zu sehen sein, sondern auch Arbeiten von Schülern aus einer ehemaligen Wirkungsstätte des Grazer Bildhauers, der Ortweinschule, „wobei die Arbeiten von Walter Ritter überwiegend für den Innenraum geeignet sind. Aber eine ganze Reihe von Arbeiten ist von Schülern für den Außenraum geschaffen, was sehr spannend ist, weil sie dort einen Teich bespielen oder auf den Freiflächen Objekte darstellen können“, meint der Obmann. Die Materialien der Skulpturen decken die ganze Bandbreite ab, mit der bildende Künstler gewohnt sind zu arbeiten: Bronze, Stein, Terrakotta, Kunststoffe und vieles mehr. Die Ausstellung sei ein Versuch, einen renommierten Künstler mit Arbeiten junger Künstler zu konfrontieren, „was ein Balanceakt ist“, so Gross.

Kunstpension


Eine Kulturpension mit Geschichte

Die Kulturpension Prenning ist das Heim des Vereins

„Prenninger Gespräche“.

 

Quellen: Sezession Graz, ORF Steiermark

 

Walter Ritter (1904 - 1986)

geboren in Graz. Bildhauer, Professor h.c., Linz an der Donau
1918-1921 Handelsakademie Graz
1921-1925 Kunstgewerbeschule Graz
1925-1928 Akademie der Bildenden Künste Wien

Reisen: Abessinien, Belgien, Frankreich, Italien, Deutschland, Schweiz, Jugoslawien, Spanien, Portugal

 

Im Krieg: Rußland (Kaukasus), Schottland (Gefangenschaft)

 

Lehrer: Wilhelm Gösser, Graz, Josef Müllner, Wien
1928 Abgangszeugnis der Akademie der Bildenden Künste in Wien

 

Freischaffend in Wien

1933 nach Graz übersiedelt

1935 Bühnenbildner am Grazer Stadttheater

1946 Berufung als Lehrer an die Kunstgewerbeschule Graz

1948 Übernahme der Bildhauerklasse an der Kunstschule der Stadt Linz

Mitglied der Sezession Graz

1956/57 Präsident der Vereinigung

für Künstler und Kunstfreunde MAERZ in Linz.

1934 Österreichischer Staatspreis für Plastik
1954 1. Preis des Wettbewerbes der Stadt Linz für einen Neptun-Brunnen 1957 Professor h.c.
1965 Stifter-Preis des Landes Oberösterreich