Prenning's Garten

Prenning's Garten OG | Geschäftsführer Gabriel Hirnthaler

  • Schwarz Facebook Icon
  • Schwarz Instagram Icon

Einst

Frische Ideen fallen auf geschichtsträchtigen Boden: Auf dem ehemaligen Fabriksgelände der Familie Feuerlöscher entsteht eine Dorfgemeinschaft, die die Zukunft des Wohnens verändern möchte. Eine kurze Geschichte des Geländes und der einflussreichen Familie, der es gehörte. 

 

Vom Ende der Familie Feuerlöscher

Lilly war die Letzte, die ging.

 

1995 starb die mittlere Tochter des Papierfabrikanten Feuerlöscher und mit ihr eine der einflussreichsten Familien im Übelbachtal. Schon seit Jahrzehnten lebte Lilly Feuerlöscher alleine auf dem Areal,  ihre Geschwister waren lange kinderlos verstorben. Und auch vom Prenninger Kreis - jenen Künstlern und Intellektuellen, die im zweiten Weltkrieg Widerstand geleistet hatten - war niemand geblieben. Das Anwesen in Deutschfeistritz drohte zu verfallen: Im Wohnhaus der Familie regnete es durch das Dach und auf dem ehemaligen Fabriksgelände hatten sich andere Firmen angesiedelt.

Aus Holz wird Papier gewonnen

Als Daniel Feuerlöscher das Areal über hundert Jahre zuvor zum ersten Mal betritt, sieht die Lage freilich anders aus: Der Bauunternehmer - angeblich technisch genial und aber auch sehr jähzornig - kauft hier 1884 eine kleine Holzschleife, um eine Holzstoff- und Deckelfabrik zu bauen. Das Geschäft boomt zu diesem Zeitpunkt, denn um Mitte des 19. Jahrhunderts hat man eine neue Methode zur Papierherstellung erfunden. Anstelle von Leinen werden jetzt die Faserstoffe von abgeschliffenem Holz verarbeitet. Davon profitiert auch der Geschäftsmann Feuerlöscher, der sein Leben lang rastlos arbeitet, bis er im Zug von Meran nach Graz einen Schlaganfall erleidet.

 

Sein Nachfolger führt das Geschäft weiter und macht vor allem im ersten Weltkrieg mit Verpackungsmaterial für Patronen und Sprengmittel große Gewinne. Nach 1919 bricht der Absatz jedoch ein und auch wenn der Fabrikant Feuerlöscher sich immer noch als erster im Übelbach ein Auto leisten kann – die große Zeit der Papierfabrik ist  vorbei. 

Der Prenninger Kreis

Mit der dritten Generation Feuerlöscher – bestehend aus Eva, Lilly, Herbert und Anna – macht die Familie einen enormen Wandel durch: Die gewinnorientierten Fabrikanten wenden sich immer mehr einer linkssozialistischen Geisteshaltung zu. In den frühen 30ern bildet sich auf dem Areal der Feuerlöschers sogar der “Prenninger Kreis”, eine Gruppe von Intellektuellen und Künstlern, zu der etwa der Widerstandskämpfer Herbert Eichholzer gehört.

 

Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme tauchen die Mitglieder der Gruppe freilich unter – mit ihnen die Schwestern Feuerlöscher. Bei ihrer Rückkehr wird Anna – die Jüngste und aktive Widerstandskämpferin – verhaftet und zu Zuchthaus verurteilt. 

 

Währenddessen steht es schlecht um die Papierfabrik: Mit Kriegsbeginn wird die Produktion eingestellt und das Areal soll zwangsveräußert werden. Gerettet wird es durch eine andere Feuerlöscher-Schwester: Lilly kämpft um die Anlage und vermietet sie, sodass der Betrieb 1946 wieder aufgenommen werden kann. Auch die zurückgekehrte Anna beteiligt sich: Von der Entschädigung für ihre Haft während des Krieges kauft sie sich einen Lastwagen und transportiert damit Holz für die Fabrik.

Pionier und Eisskulpturen

Ihr Bruder Herbert Feuerlöscher beschäftigt sich indessen mit etwas ganz Anderem als der Rettung einer Fabrik: Er ist britischer Spion und für die Verteilung von bis zu einer Million Propagandastücken in Österreich und Deutschland verantwortlich. In seinen Flugblättern werden Soldaten zur Desertion aufgefordert. “He’s done extremely good work”, beurteilt man die Leistung des Steirers mit dem Decknamen “Sapeur” (=Pionier) später im britischen Geheimdienst. 

 

Danach wird Herbert wieder Fabrikant, doch lange lässt sich die Produktion in Prenning nicht mehr aufrechterhalten. In den 60ern ist die Anlage bereits hoffnungslos überholt, 1966 verlässt der letzte Pappendeckel das Areal Feuerlöscher. Herbert und Eva sterben 1976, Anna 1977 – alle kinderlos. 

 

1979 betritt schließlich Gabriel Hirnthaler zum ersten Mal das stillgelegte Fabriksgelände. Es ist Winter und an den Holzdruckrohrleitungen haben sich imposante Eisskulpturen gebildet, die Hirnthaler fotografiert. Jahrzehnte später kauft er das Gelände. Jetzt wird in den ehemaligen Zimmern der Schwestern übernachtet, im Löschwasserteich gebadet und in frisch errichteten Apartments gewohnt. Auf dem verlassenen Gelände ist etwas Neues gewachsen: Prenning’s Garten.